Henri de Toulouse-Lautrec (1864 – 1901): »Acteurs de l'Opéra de Bordeaux« (Ausschnitt), 1900. Encre brune et plume, 25,4 × 20,4 cm,1900. Paris, musée d'Orsay, conservé au département Arts graphique de musée du Louvre
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Giacomo Puccini: » Tosca «
Wiener Staatsoper
Von Thomas Prochazka
II.
Was also sollte schiefgehen an solchen Abenden? Nach heutigen Maßstäben in den männlichen Hauptpartien gut besetzt, mit einem dem Orchester bekannten Dirigenten und herausgeputzt mit einer für Wien neuen Tosca.
Aber erstens kommt es anders, zweitens wenn man denkt: Sowohl Ambrogio Maestri, der Barone Vitellio Scarpia, als auch Jonathan Tetelman, der Mario Cavaradossi, ließen sich ansagen. Litten unter einem in Wien grassierenden, COVID-ähnlichen Infekt. Ich will berichten, nicht richten. (Eines vermag auch aus solchen Abenden Nutzen zu ziehen.)
Und wie war es um die Tosca bestellt? Malin Byström präsentierte sich ja zum ersten Male als gefeierte römische Sängerin … Nun: Mir klang diese Floria Tosca von der ersten Phrase an überfordert. So eigneten dem Abend Längen; gefährliche Längen.
Daran vermochte auch Giampaolo Bisanti am Pult des ohne übergroße Ambitionen aufspielenden Staatsopernorchesters nichts zu ändern. Dienst, ordentlich exekutiert. Was hätte der gebürtige Mailänder angesichts der Umstände auch tun sollen? Größere Lautstärke hätte die Sänger in den Orchesterwogen ertrinken lassen, zu deutliche Zurückhaltung das Drama säuselnd der Lächerlichkeit preisgegeben.
III.
Interessant, wie unterschiedlich Maestri und Tetelman mit ihren stimmlichen Einschränkungen umgingen: Ambrogio Maestri, bekannt als ökonomisch agierender Sänger, der piano notierten Passagen immer wieder zu ihrem Recht verhilft, hielt nach tastend abwartendem Auftritt klug mit seinen Kräften haus. Einzig im Te Deum
und den Höhepunkten im zweiten Akt gab der Italiener eine Ahnung von der Bösartigkeit des Barone Vitellio Scarpia. Dennoch blieb im Finale des zweiten Aktes hör- und sichtbar, daß Maestri angeschlagen war.
Ganz anders die Strategie von Jonathan Tetelman. Der aus Chile stammende Tenor begann den Abend mit verschwenderischer Kraft, sang Recondita armonia
, als gäbe es kein Morgen. Als warteten nicht im zweiten Akt die Vittoria!
-Rufe und im dritten nach der » Sternen-Arie « noch ein großes Duett auf ihre Bewältigung. Wo Maestri seine Stimme zurücknahm, setzte Tetelman auf Lautstärke und Kraft, seine Indisposition in Schach zu halten. Sein Vittoria!
gelang, den Umständen entsprechend, tadellos. Allerdings wurde in den piano-Passagen mit Fortdauer des Abends ein rasches Vibrato hörbar. E lucevan le stelle
interpretierte Tetelman mehr als er sang: introvertiert, zurückgenommen, ohne großen Ausdruck. » Überleben « lautete die Devise. (Er sei bedankt.)
IV.
Und Malin Byström? Jeder Zoll keine Floria Tosca. Unsicher im Spiel, stimmlich untersungen. Die Partie konsumiert sie; — von der ersten Phrase an. Das Liebesduett gestaltete sich als Nebeneinander: Wo Tetelmann seine Indisposition überspielen wollte, war Byström ihm keine Hilfe. Kaum einmal verstand sie sich auf die Ausbildung einer Linie, gelang eine aus dem Gesang erwachsende Darstellung. Selbst Vissi d’arte
klang beiläufig. Wenig Gestaltung. Keine Durchdringung. Soll man sich damit zufriedengeben, daß keine gröberen stimmlichen Ausfälle zu verzeichnen waren? Soll man die immer wieder offen angesetzten und daher scharfen Spitzentöne, das fehlende Engagement über dem passaggio leugnen? Soll man solches kritisch loben?
V.
Immerhin: Was bleibt, ist der Kassen-Report.