» Adriana Lecouvreur «, 3. Akt: Elīna Garanča bei ihrem Wiener Rollen-Debut als Principessa di Bouillon © Wiener Staatsoper GmbH/Michael Pöhn

» Adriana Lecouvreur «, 3. Akt: Elīna Garanča bei ihrem Wiener Rollen-Debut als Principessa di Bouillon

© Wiener Staatsoper GmbH/Michael Pöhn

Francesco Cilèa:
» Adriana Lecouvreur «

Wiener Staatsoper

Von Thomas Prochazka

Die mit dem Royal Opera House Covent Garden, London, dem Gran Teatro del Liceu, Barcelona, der l’Opéra de Paris und der San Francisco Opera koproduzierte Inszenierung von David McVicar machte wieder in Wien Station. Gelegenheit für die (Wieder-)Entdeckung eines zu Unrecht selten gespielten Werkes; trotz so mancher Besetzungsmerkwürdigkeit.

II.
Asher Fisch, zuletzt 2012 für die Leitung von Cavalleria rusticana und I pagliacci engagiert, sorgte am Pult des Staatsopernorchesters für eine modeste Wiedergabe der Partitur. Ohne große Höhepunkte, doch auch ohne gröbere Unfälle. Daß eine Adriana Lecouvreur anders klingen kann, bewies Evelino Pidó im November 2017. Dennoch: Das Staatsopernorchester bürgte für eine Qualität, welche man andernorts vergeblich sucht. — Den Comprimarii, dem Chor der Wiener Staatsoper und den Tänzern des Balletts im dritten Akt sei für ihre Leistungen pauschal gedankt.

III.
Zu den Hauptpartien: Die Adriana Lecouvreur der Ermonela Jaho enttäuschte — vor allem stimmlich. Schon in Io son l’umile ancella ließ Jaho bei zu haltenden Töne übergroßes Vibrato hören. Ihre Stimme hinterließ über weite Strecken einen flachen, hellen Eindruck. (Kein chiaroscuro.) »Ausgesungen«, hätten Opernfreunde früherer Zeiten bemerkt.

Dem Monolog der Fedra, Adrianas großem Auftritt im dritten Akt, mangelte es an der deklamatorischen Gestaltung. Der finale Ausbruch, doch mit stimmlichen Mitteln zu gestalten, versank ebenso in der Belanglosigkeit wie die Poveri fiori. Für eine überzeugende Darstellung der Künstlerin, der Liebenden, der eifersüchtigen Frau gebrach es Jaho am unabdingbaren gesanglichen Ausdruck.

Ähnlich schwach schien mir der Michonnet des Nicola Alaimo. Bereits im ersten Auftritt: rauhe Stimme, unsichere Tongebung bei den Höhen. Selten, daß sich eine gesangliche Linie formen wollte. Auch der in das Duett mit Adriana mündenden Szene »Eccoci soli« fehlte die notwendige musikalische Gestaltung. Alaimo war wenig mehr als ein rollendeckender Michonnet.

IV.
Da war Luciano Ganci ein anderer Fall. Für Brian Jagde eingesprungen, hinterließ mir dieser Maurizio bei seinem Haus-Debut einen sehr günstigen Eindruck. Ja, manche im piano angesetzte Phrase oberhalb des passaggio klang eher dünn. Ja, manche Phrase, mancher Übergang profitierte von größerer stimmlicher Raffinesse. Dennoch: Ganci punktete mit einer satten, kernigen Mittellage und, ab dem mezzoforte, mit kräftigen, offenen Höhen. (So sollte es sein.) Vermochte sich Ganci, gleich Franco Corelli, dazu entschließen, immer mit einem gewissen, allerdings konstanten Stimmdruck zu singen (ohne stimmliche Überforderung): Der Welt wäre wieder ein tenore spinto geschenkt, der diesen Namen verdient. (Dies den Anhängern tenoralen Säuselns ins Stammbuch geschrieben.)

V.
Elīna Garanča lieferte als Principessa di Bouillon die beste Leistung des Abends. Der zweite Akt war ihrer: O vagabonda geriet zum Höhepunkt der Aufführung: auf Linie gesungen, mit rundem Ton, ohne Schärfen. Daß diese Principessa dazu neigte, ihre Stimme am unteren Ende ein wenig abzudunkeln, der eine oder andere Spitzenton — Cilèa führt die Partie in Acerba voluttà bis zum hohen ›ges‹ — zu hell, zu offen klang: Es tat der Leistung Garančas keinen Abbruch. Schon lange hörte ich die lettische Mezzosopranistin nicht in solcher Form. Tadellos ihr Spiel im Zusammentreffen mit Maurizio und Adriana. Köstlich die, an die Eröffnungsszene des Theaterstückes von Eugene Scribe erinnernde Konversation mit dem Abate di Chazeuil (rollendeckend: Andrea Giovannini) im dritten Akt.

VI.
Garanča und Ganci: So sollte es jeden Abend sein.

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